der Dom der heiligen Barbara in Kutná Hora

Liebe Leser!   

Heute habe ich für Euch eine Leseempfehlung bzw. Auszüge aus einem Buch, einer ehrwürdigen Frau und deren Wahrheiten, die immer noch aktuell sind. Marguerite Porete war eine Mystikerin im Mittelalter, sie hatte ihr Buch „der Spiegel der einfachen Seelen“ nicht widerrufen und wurde daher vor über 700 Jahren zusammen mit ihrem Buch auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dieses Buch trägt den Untertitel „Mystik der Freiheit“ und es stellt sich einem bereits beim Lesen der ersten Zeilen die Frage, welche Gefahr in ihr und ihren Worten gesehen wurde…wohl einfach der Atem der Freiheit welcher in ihren Texten schwingt. Es darf uns dabei auch bewusst sein, dass es ganz oft noch die Freiheit, die Befreiung und das eigene Glück sind, welche uns noch ängstigen, eben auch weil es viele von uns noch nicht gewohnt sind, die eigenen Freiheiten zu leben. Derweil sind es gerade diese, die wenn sie einfach in Hingabe gelebt werden, ohnehin zum Wohle aller dienen.

Einige intuitiv zusammengestellte Auszüge aus dem Buch, die energetisch programmiert sind und die während des Lesens im Einklang mit Deiner Seele in deinem Energiekreislauf wirken, können sich so manifestieren um Dich so in deinen Alltag zu unterstützen, sich integrieren und zu einer gelasseneren Lebenseinstellung führen.
Es ist ein Buch, welches ich allen freien Herzen oder denen die es noch werden wollen, offenen Herzens empfehle. Für mich ist es eines von denen, in dem immer wieder gelesen werden kann, das neue Perspektiven & Einsichten entstehen lässt und auch Leichtigkeit in das eigenen Sein bringt. Es ist in einzelne Passagen eingeteilt und gerade auch durch das aufschlagen einer beliebigen Seite unterstützt es bei aktuellen Themen und dem Finden von Lösungsansätzen. Dazu gehört kein christlicher Glaube – das Kirchliche, Gott oder Begriffe dieser Art können je nachdem wie Du es für dich selbst benennst als das Göttliche, der Ursprung, das Licht etc. gelesen werden.

 

1* Was die Liebe vorhat und warum sie dieses Buch niederschreiben ließ.

Die Liebe: Ihr Kinder der heiligen Kirche alle, spricht die Liebe. Ihr seid es, für die ich dieses Buch geschrieben habe, damit ihr zu einer höheren Wertschätzung des vollkommenen Lebens und des Zustands des Friedens gelangt. Ihn erreicht der Mensch durch die Tugend der vollkommenen Liebe. Sie wird uns durch die Dreieinigkeit insgesamt geschenkt. Von dieser Gabe werdet Ihr in diesem Buch noch hören, wenn das Verständnis der Liebe die Fragen der Vernunft beantwortet.

 

6* Wie die in Gott verliebte Seele, die im Frieden und in der Nächstenliebe lebt, Abschied nimmt von den Tugenden.

Die Liebe: Die Seele, die von solcher Liebe erfüllt ist – so spricht die Liebe selbst -, kann zu den Tugenden mit Recht sagen, dass sie ihnen lange Zeit hindurch und so manchen Tag zu Diensten gewesen sei.
Die Seele: Ich gestehe es Euch, Frau Liebe, spricht diese Seele: Es gab eine Zeit, da war es tatsächlich so, aber jetzt verhält es sich anders. Euer vornehmer Adel war es, der mich aus ihrer Leibeigenschaft befreit hat. Und deshalb kann ich jetzt folgendermaßen zu ihnen sprechen und auf diese Weise singen:

Tugenden! Ich nehme Abschied von euch
für immer!
Mein Herz ist nun ganz frei
und heiter gestimmt.
Euer Dienst ist zu beschwerlich,
das weiß ich sehr wohl.
Früher habe ich mein Herz rückhaltlos
an euch gehängt.
Ihr wisst, dass ich euch ganz
hingegeben war.
Ich war eure Leibeigene,
aber jetzt bin ich befreit.
Mein ganzes Herz hatte ich an euch gehängt,
ich weiß es wohl.
So lebte ich eine Zeitlang
in großer Bedrängnis.
Viele Qualen habe ich erlitten
und große Schmerzen erduldet.
Es ist ein Wunder, dass ich da lebend
herausgekommen bin!
Nun, so war es, und jetzt, da es vorbei ist,
macht es mir nichts mehr aus:
Ich bin von euch losgelöst!
Dafür danke ich Gott im Himmel –
gut war jener Tag für mich!
Ich bin eurer Herrschaft entzogen,
die mir viel Verdruss bescherte.
Niemals war ich freier,
als da ich geschieden von euch war.
Ich bin aus eurer Gewalt entkommen
und ruhe jetzt im Frieden.

 

7* Inwiefern diese Seele edel ist und warum sie sich aus nichts etwas macht.

Die Liebe: Diese Seele, so spricht die Liebe, kümmert sich weder um Schande noch um Ehre, weder um Armut noch um Reichtum, weder um Wohlbefinden noch um Missbehagen, weder um Liebe noch um Hass, weder um die Hölle noch um das Paradies.
Die Vernunft: Ach, um Gottes Willen, Liebe! – so spricht die Vernunft. Was soll Eure Rede denn bedeuten?
Die Liebe: Was das bedeuten soll?, sagt die Liebe. Das versteht natürlich einzig und allein der, dem Gott das Verstehensvermögen dafür gegeben hat. Denn weder ist es in der Heiligen Schrift enthalten, noch erfasst es den Sinn des Menschen. Und auch das Bemühen des Menschen um Erkenntnis und Einsicht ist hier nutzlos. Diese Gabe kommt nämlich vom Allerhöchsten selbst. In ihn wurde dieser Mensch durch eine Fülle an Erkenntnis entrückt. Und eine solche Seele, die zu einem Nichts geworden ist, hat alles und hat doch zugleich nichts, sie will alles und will zugleich nichts, sie weiß alles und sie weiß dabei nichts.

 

30* Wie die Vernunft der Liebe sagt, sie möge diese Seele satt machen, indem sie von Gott all das sagt, was man von ihm reden und sagen kann.

Die Vernunft: Frau Liebe, sagt die Vernunft, ich flehe Euch um Erbarmen an und bitte Euch: Macht diese Seele satt, indem Ihr dieser wenigstens das sagt, was man von dem sagen kann, der alles in allem ist.
Die Liebe: Sie weiß dies, sagt die Liebe, denn sie findet ihn immerdar, das heißt in allen Dingen. Denn es ist angemessen, eine Sache dort zu suchen, wo sie sich befindet, und da er überall ist, findet ihn diese Seele überall. Und deshalb kommen ihr alle Dinge gelegen, denn sie findet nirgends etwas, in dem sie Gott nicht fände. Vernunft, sagt die Liebe, warum wollt Ihr, dass ich diese Seele satt mache, indem ich von Gott all das sage, was man von ihm sagen kann?

 

72* Hier spricht sie von der Entfernung zwischen dem Land der Zugrundegegangenen und Verirrten und dem Land der Befreiten, und sie sagt, warum die Seele einen Willen hat.

Die Seele: Versteht die beiden Worte der Liebe in rechter Weise, sagt die Seele. Denn sie befinden sich außerhalb des Landes der Verirrten und haben ihren Bestand im Land der Freiheit und der Fülle des Friedens, in denen diejenigen, die dort sind, auch bleiben.
Die Liebe: Das ist wahr, sagt die Liebe. Ich werde zu ihnen ein Wort sprechen.
Die Seele: Ja, bestimmt, spricht die Seele, trotz des Willens, in dem die Zugrundegegangenen und Verirrten verharren, die auf diese Art ein Leben der Vollkommenheit führen.
Die Liebe: Als die göttliche Dreieinigkeit aus dem noblen Entgegenkommen ihrer göttlichen Güte heraus die Engel erschuf schlossen sich diejenigen ihnen, die böse waren, dem bösen Willen Luzifers an, der aufgrund seiner eigenen Natur das haben wollte, was er nur durch göttliche Gnade haben konnte. Und sobald sie dies aus ihrem verkehrten Willen heraus wollten, verloren sie den Seinszustand der Güte. Nun sind sie in der Hölle ohne Sein und ohne jemals die Barmherzigkeit Gottes zu erlangen, um ihn zu schauen. Und diese erhabene Schau haben sie durch ihren Willen verloren. Diesen Willen hätten sie ja gehabt, um ihn hinzugeben, doch sie behielten ihn für sich. Seht nun, zu welchem Ende sie dadurch gelangt sind!
Die Wahrheit: Oh weh!, ruft die Wahrheit. Warum, Ihr Seelen, liebt Ihr den Willen so sehr, wenn doch durch den Willen ein solcher Verlust eingetreten ist?
Die Liebe: Ich werde es Euch sagen, spricht die Liebe, warum die Seele einen Willen hat: weil sie nämlich noch im Geist lebt, und im Leben des Geistes ist noch der Wille vorhanden.

 

94* Vom Sprechen über das göttliche Leben

Die Seele: Das Sprechen von einem solchen Leben des göttlichen Lebens ist im Schweigen der göttlichen Liebe eingehüllt. Sie hat dies seit jeher so gehalten, und seit jeher hat sie dies so gewollt. Es gibt kein Leben mehr, als immerdar den göttlichen Willen zu wollen.
Ihr dürft nicht säumen, von Euch selbst zu lassen. Denn niemand wird ruhen oder in geruhsamer Ruhe verbleiben, wenn er sich zuvor nicht gelassen hat: Dessen bin ich mir sicher. Überlasset den Tugenden das, was in Euch ihnen gehört aus der Mitte Eurer Zuneigung zu Eurem Geist, bis Ihr das beglichen habt, was Ihr Jesus Christus schuldig seid. Denn dies ist zu tun, bevor man zum Leben gelangt.
Begreift, um Gottes Willen, was Jesus Christus selbst sagt: Und sagt er nicht im Evangelium: Wer um mich weiß, tut dieselben Werke, die ich vollbringe, und sogar noch größere?
Wo findet man diese Erklärung dieses Wortes? Ich frage Euch! Solange man Jesus Christus nicht all das bezahlt hat, was man ihm schuldet, kann man den Frieden des Landes des göttlichen Seins nicht haben, in dem das Leben wohnt. Möge Euch Gott bald die Vollendung Eurer natürlichen Vollkommenheit, die Harmonie der Seelenkräfte und das Genügen in allen Dingen geben!

 

*119. Wie sich die Seele, die dieses Buch schreiben ließ, dafür entschuldigt, dass sie dieses Buch so lang an Worten geraten ließ, was jedoch den Seelen, die im Nichts verbleiben und aus Liebe in diesen Seinszustand gefallen sind, wenig und kurz erscheint.

Die Seele: Ich entschuldige mich, sagt diese Seele, bei Euch allen, die Ihr im Nichts bleibt und die Ihr aus Liebe in diesen Seinszustand gefallen seid. Denn ich habe dieses Buch sehr umfangreich an Worten gemacht – das Buch, das Euch, soweit ich Euch kennen kann, sehr klein vorkommt. Ihr mögt mich nun in Eurer Höflichkeit entschuldigen, denn die Not kennt kein Gesetz. Ich wusste nicht, zu wem ich über meine Einsicht sprechen soll. Nun erkenne ich, um Euch zu beruhigen und um die Wahrheit zu sagen, dass es dahinter zurückbleibt. Es war von Freiheit geleitet, die der Vernunft das Verständnist durch die Antwort der Liebe auf die Fragen der Vernunft vermittelt hat. Und so wurde es durch menschliche Wissenschaft und menschlichen Sinn geschrieben.
Doch menschliche Vernunft und menschlicher Sinn wissen nichts von innerlicher Liebe, so wie die innerliche Liebe nichts von Theologie weiß. Mein Herz ist so hoch emporgehoben und so tief hinabgesunken, dass ich es da nicht erreichen kann. Denn alles, was man von Gott sagen, schreiben oder denken kann – Letzteres ist mehr als das, was man sagen kann -, gleicht einer Lüge als einer wahren Behauptung.
Ich habe gesagt, spricht diese Seele, dass die Liebe dies durch menschliche Wissenschaft und durch den Willen schreiben ließ, mein Verstehen, von dem ich behindert war, umzuwandeln, wie es durch dieses Buch offenkundig wird. Denn die Liebe hat es geschrieben, indem sie meinen Geist durch die drei Gaben, von denen wir gesprochen haben, frei gemacht hat.

von Marguerite Porete 

In diesem Sinne auf die Freiheit aller Seelen – in der Ganzheit der Schöpfung!
Alles Liebe & Einigkeit, Patrizia Schimpl

P.S. Mir geht es um den Sinn der Sache, wer Fehler findet darf diese gerne behalten. Meine Beistrichsetzung ist willkürlich, meine Rechtschreibung eigensinnig und meine Wortwahl intuitiv, weshalb ich mir abgewöhnt habe die Worte, die während des Schreibens fließen, großartig zu korrigieren.

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Wer sagt: hier herrscht Freiheit, der lügt,
denn Freiheit herrscht nicht.

Erich Fried

Dazu das Lied Since your Love von United Pursuit ft. Brandon Hampton, in dem es um das eigene Sein, Gemeinschaft, Verbundenheit, dem Miteinander und der Vollständigkeit darin geht. Dieses Lied ist sanft, klar und hat eine beruhigende Ruhe & Kraft.
Es kann dabei interessant sein beim Hören den Gedanken zuzulassen, „ich habe dich kreiert – du hast mich kreiert“ oder „ich habe mir dieses Leben kreiert – dieses Leben hat mich kreiert“ oder auch in der Jetz-Form ich kreiere…