Liebe Leser!

Es nun bereits länger her dass ich mich mit dem Thema Hoffnung näher befasste und begann darüber zu schreiben, für mich selbst schreibe ich immer wieder über Themen die mich beschäftigen, weil sich durch das Schreiben vieles löst und sich Klarheit einstellt…ich besuchte 2014 ein Konzert von Milow, wo er sein damals aktuelles Album Silver Linings vorstellte. In einem Trödlerladen fiel mir relativ zur gleichen Zeit die DVD des Films Silver Linings um 2 Euro in die Hände, um so wenig Geld ist nichts vertan und wenn mir derzeit überall Silver Linings zufliegt, so ist da wohl etwas drinnen für mich. So gab es unterschiedliche Quellen oder auch Stellen die mich mit dem Thema Hoffnung und den Silberstreifen am Horizont konfrontierten. Als ich dann mit der Bahnstreckengeschichte in Berührung kam beschloss ich das Thema wieder aufzugreifen.

Die Begriffserklärung aus dem Lexikon zu Hoffnung lautet:
Das Wort Hoffnung bildete sich aus der mittelniederdeutschen Sprache aus hoppen-hüpfen (vor Erwartung unruhig springen, zappeln)
Es ist eine zuversichtliche innerliche Ausrichtung, gepaart mit einer positiven Erwartungshaltung, dass etwas Wünschenswertes in der Zukunft eintritt, ohne dass wirklich Gewissheit darüber besteht. Das kann ein bestimmtes Ereignis sein, aber auch ein grundlegender Zustand wie etwa anhaltende Gesundheit oder finanzielle Absicherung. Hoffnung ist die umfassende emotionale und unter Umständen handlungsleitende Ausrichtung des Menschen auf die Zukunft. Hoffend verhält sich der Mensch optimistisch zur Zeitlichkeit seiner Existenz.
Hoffnung kann begleitet sein von der Angst und der Sorge dass das Erwünschte nicht eintritt. Ihr Gegenteil ist die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit, die Resignation oder die Depression. (Quelle Lexikon)

Hoffnung ist mit Sicherheit keine der Grundhaltungen die uns durch das Leben führen sollte, doch es gibt Situationen in denen Hoffnung alles ist was übrig bleibt, um diesen Zeitraum durchzustehen. Wenn man sich in der Welt gerade ein wenig genauer umsieht, so scheint es so als wären wir nicht inmitten eines Aufstieges oder wie auch immer man es nennen mag, sondern als würden wir eher Rückschritte machen. Es ist so vieles im Wandel und mit den vielen Veränderungen umzugehen ist besonders für die Menschen, welche aktiv am Geschehen teilnehmen nicht immer leicht, aber es lohnt sich am Ende doch immer.

Ist es nun möglich in Zeiten der Hoffnungslosigkeit dennoch Silberstreifen am Horizont zu sehen und gibt es denn überhaupt noch einen Anlass zur Hoffnung, dass wir uns tatsächlich in Richtung eines Zeitalters des vermutlich noch nie dagewesenen Friedens auf Erden zubewegen, während um uns herum Kriege stattfinden, politische Strukturen die Fäden zu ziehen scheinen, Systeme kippen und zu zerfallen drohen, weltweit Völker und Kulturen aufeinander prallen und Technologie, Konsum und künstliche Intelligenz so manches lenken…


Seinerzeit sagte der gute-alte Friedrich Nietzsche
„Die Hoffnung: sie ist in Wahrheit das Übelste der Übel,
weil sie die Qual der Menschen verlängert.“

 

Ein Zitat das mich damals tief bewegte und womit ich mich über einen längeren Zeitraum hinweg befasste. In Menschliches, Allzumenschliches schrieb Nietzsche über die Hoffnung in Anlehnung an die Büchse der Pandora „Zeus wollte nämlich, dass der Mensch, auch noch so sehr durch die anderen Übel gequält, doch das Leben nicht wegwerfe, sondern fortfahre, sich immer von Neuem quälen zu lassen. Dazu gibt er dem Menschen die Hoffnung.“

Der weise Nietzsche wusste schon wovon er spricht bzw. schreibt. Wie es in seinem Fall war, auch wenn es einen trifft und vieles was man lebt, wofür man sich vielleicht anstrengte, sich bemühte hinterfragen lässt…und doch gibt es auch bei der Hoffnung beide Seiten der Medaille, die stärkende Hoffnung die unterstützt und die täuschende Hoffnung die quälen kann.

Jeder der schon einmal eine Krise durchlebte und diese erfolgreich überwunden hat, kennt die Kraft der echten Hoffnung und die Tatsache gestärkt aus dieser Krise hervorgegangen zu sein…die Entwicklung die man aus dieser durchlebten Krise erfährt und die man vielleicht nicht durchgestanden hätte, wäre da nicht die Hoffnung gewesen …die dabei unterstützte die eigenen Kräfte zu mobilisieren, Lösungen zu finden und aus der Krise heraus half.

Doch wie lange ist es für einen Menschen gesund die Hoffnung zu bewahren und wie weiß man in einer Situation ob es noch Grund zu Hoffnung gibt oder man sich schon inmitten einer Täuschung befindet? Manchmal braucht es eine Weile um die Wahrheit einer Lebenslage in der man sich befindet zu durchschauen, zu durchleuchten und sich gegebenenfalls aus dieser zu befreien. Gerade inmitten einer belastenden Situation ist es von Bedeutung, den Unterschied zwischen der realistischen Hoffnung und der Selbsttäuschung zu erkennen.

Auch hier ist es aus meiner Sicht wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein, sich gut zu spüren und mit einem klaren Kopf die Situation aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Dabei kann man sich auch vorstellen man sitzt sich selbst als beste Freundin/bester Freund gegenüber und hört sich das Problem aufmerksam an, stellt vielleicht auch Fragen dazu und gibt sich dann selbst den Ratschlag der vielleicht schon Ansätze zur Lösung beinhaltet. Durch den Perspektivenwechsel dreht man sich nicht mehr im Gedankenkarussell, der ohnehin vielleicht schon zu oft gedachten Gedanken, sondern kommt in die Haltung eine Lösung zu finden.

Es gibt einen klaren Unterschied der für jeden spürbar ist zwischen JA da ist Hoffnung und NEIN das ist eine hoffnungslose Sache…und wenn da nur ein Schimmer Hoffnung ist, so spürt man diesen durch zumindest einem kleinen Funken Freude.
Kommt dabei raus dass es in der Situation keine Hoffnung mehr gibt, wenn man zum Beispiel in drei Stunden am Flughafen sein sollte, um den Flieger zu erreichen, durch den Stau wegen der Baustellen auf der Autobahn allerdings vier bis fünf Stunden Anfahrtszeit hat, so weiß man dass es unmöglich ist. So gilt es in hoffnungslosen Momenten, die Situation wie sie ist zu akzeptieren und ein verpasster Flug bedeutet ja nicht das Ende der Welt.

Weiß man in der Situation jedoch klar dass ein Grund zu Hoffnung besteht, wenn man zum Beispiel doch noch auf den Zug umdisponieren kann und mit dem ICE innerhalb der drei Stunden den Flughafen noch pünktlich erreicht und die Abfahrtszeit glücklicherweise auch noch optimal passt, so spürt man dies in Form von Erleichterung und weiß es ist ein Anlass zur Hoffnung.

Echte Hoffnung ist aus meiner Sicht verbunden mit dem Wissen, dass indem wir das tun was möglich ist und in der eigenen Macht steht und/oder mit Unterstützung von Helferleins schaffbar, machbar oder lösbar ist.
Hat man alle Steine, wie Unsicherheiten und Zweifel aus dem Weg geräumt und sieht dennoch keinen Weg zum Erreichen des Ziels, so lässt sich erkennen, es ist an der Zeit die Hoffnung aufzugeben und loszulassen.


…sagt, er möchte die Feindseligkeit der Welt zurücklassen.
Wenn einem die Hoffnung auf Besseres genommen ist,
dann hat man die Gegenwart endlich ganz in der Hand.
(aus Elfriede Jelineks Roman „die Ausgesperrten“)

 

Eines der schönsten Beispiele für Hoffnung, in der Geschichte der Menschheit ist für mich der Bau der Semmeringbahnstrecke, der auch als Meilenstein in der Eisenbahngeschichte gilt und seinerzeit schon als harmonische Kombination von Technologie und Natur galt. Der Bau der Bahnstrecke wurde von Carl von Ghega geplant und diese wurde 1854 eröffnet. Auch wenn uns diese Strecke recht bedeutungslos erscheint war es für die Menschen damals eine große Erleichterung um ihre Güter zu transportieren. Der Grund warum dies ein für mich so bereicherndes Beispiel ist, ist dass es zum Baubeginn der Bahnstrecken aus rein technischen Möglichkeiten noch keine Lokomotive gab, welche fähig war diese Steigung zu schaffen…dennoch wurde mit dem Bau begonnen.
Der Bauleiter Ghega setzte sich während der Erschaffung gegen Gegner durch, welche mittels Zahnradbahn oder Seilzügen eine zu der Zeit weit verbreitete Möglichkeit sahen die Steigung zu schaffen. Ghega brachte in die Lokomotivkonstruktion neu entwickelte Technologien ein und am 23. Oktober fuhr die erste Lokomotive über die Strecke.

Was darin für mich enthalten ist, ist dass es manchmal nur darum geht mit einer wertvollen Idee zu beginnen und es stets eine Lösung gibt…es einfach einiger wacher Herzen, einem guten Willen und dem Wissen bedarf dass es umsetzbar ist… Für mich zeigte sich diese Form des Erfüllbaren im Leben dadurch, dass ich wenn ich eine neue Wohnung finden wollte oder sollte, weil es an der Zeit war weiterzuziehen, einfach damit begonnen habe meine Umzugskartons zu packen, obwohl ich noch nicht wusste wohin es geht. Es war wirklich jedes mal so dass sich dadurch eine Tür auftat, wenn auch nicht immer gleich zu den eigenen vier Wänden, so dennoch zu einer Übergangswohnsituation und dann wieder in die eigenen vier Wände und ich möchte keine der Übergangslösungen und die aufgearbeiteten Prozesse die dadurch entstanden missen.

Auch bei einer Freundin, die zwar ein recht chaotischer Mensch ist, aber gerade durch diese Eigenschaft die genialsten Erlebnisse hat, entdeckte ich letztes Jahr, dass es manchmal nur darum geht sich dafür zu entscheiden und bereit zu sein. Als ich sie besuchte standen in ihrem Zimmer fertig gepackte Reisetaschen und ich fragte sie ob sie denn den Flug schon gebucht hat…sie lachte nur und meinte, nein aber ich habe schon mal gepackt und das wird dann schon irgendwie gehen. Wenige Tage später war sie schon auf dem Weg zum Flughafen und saß kurz darauf im Flieger nach Indien zu ihrem Freund…wenn auch noch einige Hindernisse auf dem Weg dorthin auftauchten, die wir dann durch mehrmaliges Telefonieren lösten…aber immerhin die Reise ist gelungen und in weiterer Folge sogar die Hochzeit, auf eine unbeschreiblich schöne Art und Weise.

In diesem Sinne, was auch immer du dir vornimmst, vorhast etc. manchmal geht es nur darum den ersten Schritt zu machen und damit zu beginnen, denn wenn es sich verwirklichen soll, so gelingt es auch – doch liegt es an einem selbst es umzusetzen, zu handeln und das zu tun was man liebt.

Möge uns das Leben kein Übel und Qual sein, wie es im Zitat geschrieben steht, sondern durch das Kennen und Erkennen des Lebens und dem Lösen unserer Herausforderungen, ein Segen und ein Geschenk sodass wir auch wenn wir einmal kurz hinfallen oder umgeschubst werden, immer wieder die Kraft finden aufzustehen und unseren Seelenweg weiterzugehen.

Für mich gibt es jedenfalls immer noch Anlass zur Hoffnung verbunden mit dem Wissen, dass wir uns fortwährend auf eine noch nie dagewesene Form des Friedens zubewegen, ganz gleich wie lange der Weg dahin auch zu sein scheint, sehe ich all das was wir erleben, ob nun nur am Rande weil das Geschehen weit weg von uns ist oder auch Mittendrin, weil es im eigenen Leben stattfindet, uns selbst betrifft oder wir ein Teil davon sind…dass dies alles ein Teil des Entwicklungsprozesses der Menschheit ist.


Manche Leute sagen wir sollten uns nicht in den natürlichen Lauf der Dinge einmischen,
doch wenn die Dinge ihren Lauf nehmen – kann dies ein langer und schmerzhafter Prozess werden.
(aus dem Film der Preis der Freiheit)

 

Alles Liebe & Einigkeit, Patrizia Schimpl