Liebe Leser!    

Lebe im Hier & Jetzt und du bist sorglos, schwerelos und unbefangen. Ja das stimmt und ist definitiv eine Tatsache. Dennoch ist es auch herausfordernd immerzu im Hier und Jetzt zu sein. Es gibt Vergangenes das uns beschäftigt und es gibt die Zukunft, das was wir alles zu tun und zu erledigen haben und noch schaffen wollen. Es gibt Sorgen die wir uns manchmal machen, um uns selbst, unser Leben, um unsere Mitmenschen oder auch der Welt im allgemeinen.   

Aus meiner Sicht ist es einer der schönsten Daseinszustände das Leben im Hier und Jetzt zu verbringen und doch erfordert es eben Training und ein gewisses Vertrauen, wenn nicht sogar Urvertrauen in sich selbst und das Leben. In der Gegenwart, der englischen Zeitform Present und somit auf Deutsch Geschenk, ist unsere Vergangenheit und unsere Zukunft ohnehin präsent und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben.  

Uns dabei zu fragen was wir uns sozusagen in den Kopf tun, womit wir uns beschäftigen und wie wir unser Dasein verbringen möchten ist sicherlich eine gute Möglichkeit eine Form der Gedankenhygiene zu betreiben. Im Hier und Jetzt ist Handlungsfähigkeit gegeben, alter Ärger, Wut und Groll haben darin keinen Nährboden, da das hier sein und die einfache Anwesenheit im Moment es erleichtern das Wühlen in der Vergangenheit oder Grübeln über die Zukunft sein zu lassen.

 

In gewissen Phasen des Lebens kann es vorkommen, dass wir uns zurücksehnen in Momente in denen wir eben besonders glücklich waren, in denen einfach alles perfekt war, Momente die wir mit für uns wichtigen Menschen verbrachten oder auch gewisse Momente in denen wir mit uns selbst so im Frieden waren, dass die Welt um uns herum einfach nur wundervoll, leuchtend und voller Magie war…   

Jedoch ist das wenige das im Leben beständig ist die Veränderung und so gibt es nichts was für immer bleibt. Oder doch? Vielleicht geht es nicht so sehr darum bestimmte Momente, Emotionen, Gefühle etc. festzuhalten, sondern vielmehr darum diese fließen zu lassen und zu wissen das alles was wir erleben ein Bestanteil unseres Lebens ist und so unsere Erlebnisse ohnehin immer ein Teil von uns sind.   

So dürfen wir diese unbezahlbaren Momente ganz einfach als Geschenke annehmen, die uns formen, die uns bereichern und die uns zu denen machen die wir im jetzigen Moment sind bzw. zu denen wir durch unsere Erfahrungen werden. Immer wieder mal mache ich bewusste Rückschau auf meine Leben und erinnere mich an Erlebtes, an Gutes und auch an Schlechtes, komme dabei jedoch immer wieder zu dem Schluss dass alles genauso so laufen sollte, damit es jetzt so ist wie es ist. Ganz selten finde ich etwas dass ich hätte verändern wollen oder anders machen hätte sollen und bereinige auch das womit ich noch nicht im reinen war. Es stellt sich dadurch die Erkenntnis ein dass es nichts zu bereuen gibt und das erzeugt wiederum Selbstsicherheit.   

Bei einer Veranstaltung die ich Anfang des Jahres besuchte wurde ein Unternehmer gefragt, ob er denn mit dem Erfolg seines Unternehmens, welches ein großes Unternehmen in Oberösterreich ist, zufrieden sei. Seine Antwort beschäftigt mich daraufhin intensiv, immer wieder setzte mich mit seiner Aussage, die ich nicht wortwörtlich jedoch inhaltlich sinnvoll wiedergeben kann auseinander.    

Er antwortete, dass aus seiner Sicht Zufriedenheit Gift für jeglichen Erfolg ist, denn ist man voll und ganz zufrieden hat man weder einen Grund noch einen Antrieb für Veränderungen. Man lehnt sich in seinem Erfolg zurück, genießt Zufriedenheit, ist dabei zwar glücklich, macht aber keine Fortschritte mehr und wird dabei rechts und links von allen überholt.    

So sei es laut ihm von Bedeutung auch Unzufriedenheiten zu erkennen und ist so in der Lage, notwendige Veränderungen überhaupt in Betracht zu ziehen…seine Antwort rüttelte an dem Bild, welches ich bisher über Zufriedenheit hatte und dem von mir bisher weniger beachteten Aspekt der Unzufriedenheit, der doch auch etwas in sich birgt, was die eigenen Kräfte mobilisieren kann.  

 

 

    Nur wer seinen eigenen Weg geht,
kann von niemandem überholt werden.
Zitat Marlon Brando 

 

Eine Aussage die zwar belanglos erscheint und doch neue Sichtweisen enthält. Von meinem Charakter her, bin ich ein Mensch der alles andere als das Streben nach Erfolg zum Antrieb hat, zumindest nicht das in der Gesellschaft klassiche Erfolgsstreben. Durch das Beschäftigen mit meinen Ansichten zum Thema Zufriedenheit, Erfolg und allem das damit im Zusammenhang steht, kam ich zu dem Schluss dass dieser Unternehmer mit seiner Ansicht einen wertvollen Input hat, nicht umsonst hat er dieses Unternehmen innerhalb kurzer Zeit auf Erfolgskurs gebracht, die Anzahl der Mitarbeiter fast verdoppelt und so etwas Erstrebtes erreicht. Aus meiner Wahrnehmung hat er das deshalb erreicht, weil er dabei seinen Fokus nicht nur auf geschäftlichen Erfolg legte, sondern auch seine menschlichen Grundwerte einbrachte.  

Vielleicht zeigte sich diese Unzufriedenheit, von der er sprach in meinem Leben auf eine andere Weise. So wurde mir abermals bewusst dass dieser ja auch eine meiner Stärken ist. Denn um die erforderlichen Veränderungen durchzuziehen, ist es eben von Bedeutung sich erst einmal der Schwachstellen bewusst zu sein und diese in der Haltung der Zufriedenheit zu finden, ist durchaus schwieriger als sie aus der Perspektive der Unzufriedenheit heraus zu erkennen.  

 

Von da an achtete ich bewusster darauf, in welchen Bereichen meines Lebens
mich meine wenn und aber blockieren oder behindern,
ich noch Ausreden vorschiebe, anstatt Schritte der Veränderung zu setzen,
ich mir etwas schön redete,
ich mich selber klein machte, weil mir eben der Mut noch fehlte, Situationen zu meinem Wohle zu verändern,
ich mich noch damit beruhigte dass es passt wie es ist,
und ich mir lieb gewonnene Gewohnheiten noch pflegte, um meine Komfortzone nicht verlassen zu müssen.    

 

Es liegt nicht alles in unseren eigenen Händen, es liegt also nicht immer an uns selbst und doch sind wir es selbst, die unser Leben so gestalten, wie wir es leben. Nicht alles geht von heute auf morgen und nicht alles wird so wie wir es uns Ausmalen und doch wachsen wir daran, es geht damit leichter Komfortzonen zu verlassen und Neues zu wagen.

Was hat das nun mit dem Leben im Hier & Jetzt zu tun, welches viele Menschen bewusst anstreben? Aus meiner Wahrnehmung ist es so dass es meist die Sorgen/Probleme sind oder das was uns belastet, was uns vom Hier und Jetzt ablenkt und damit ins Wenn und Aber abdriften lässt. Es sind zwei völlig unterschiedliche Lebenshaltungen, die ein und dieselbe Situation völlig unterschiedlich sein lassen.
Im Wenn und Aber befinden wir uns eher in der Ohnmacht, in der Haltung dass etwas anders sein sollte, als es in dem Augenblick ist. Im Hier und Jetzt befinden wir uns in der eigenen Macht, in der Haltung das alles jetzt in dem Moment richtig ist, wie es ist und genau so sein will. Diese Macht, die ich hier meine ist ganz einfach der Handlungsspielraum, das Wissen handlungsfähig zu sein und durch das eigene Tun das zu bewirken, was im Bereich der eigenen Möglichkeiten liegt.

Im Wenn und Aber sind wir eher zum Nachdenken verleitet, was anders sein hätte sollen, was wir eventuell anders machen hätten sollen oder im Vordenken, was wir alles noch zu tun haben und sind dadurch mit unserer Aufmerksamkeit nur zum Teil bei der Sache.
Während wir im Hier und Jetzt begreifen dass alles richtig war und sowieso kommt was kommen will. Im Jetzt sind wir in der vollen Aufmerksamkeit anwesend und tun was wir tun, in Achtsamkeit.
Eine wunderbare Möglichkeit im Hier und Jetzt noch bewusster anzukommen, ist es inne zu halten, durchzuatmen und ganz hier zu sein, mit allen Anteilen. Ich bin da wo ich bin – so wie ich bin und lasse dabei alles und jeden sein, da wo sie sind – so wie sie sind.    

 

  Dinge von großer Bedeutung soll man mit Leichtigkeit angehen.
Dinge von geringer Bedeutung gehe man mit Ernsthaftigkeit an.
 Tsunetomo Yamamoto, Samurai und Autor

 

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Wenn & Aber und Hier & Jetzt ist sicherlich unsere Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Im Hier und Jetzt ist es einfacher mit ganzer Aufmerksamkeit und einem klaren Blick Lösungen zu finden, während wir im Wenn und Aber eher dazu neigen Ausreden zu haben und uns Situationen ausgeliefert zu fühlen.
Sind wir im Hier und Jetzt präsent, ist es kaum möglich sich selbst etwas vorzumachen. Dabei ist es jedoch keinesfalls so dass darin immer alles nur schön und ach so super ist, auch im Hier und Jetzt können wir mit Sorgen, Problemen und Herausforderungen konfrontiert werden, es ist jedoch einfacher, diese mit einem klaren Blick und neuer Perspektive zu lösen.

Wenn du willst, so achte für einen gewissen Zeitraum bewusst auf deine wenn und aber, es kann interessant sein und vielleicht behaltest du es dir sogar bei. Wo schiebst du diese noch vor, weil du es so gewohnt bist oder weil du diese wenn und aber als Grund nimmst, um in deiner Komfortzone zu bleiben. Seie dabei ehrlich zu dir selbst und schaue dir die gleiche Situation als Vergleich in der Haltung des Hier & Jetzt an. Du wirst erstaunt sein wozu du dadurch in der Lage bist und welch ein Unterschied zwischen diesen beiden Welten der Wenn&Aber und der Hier&Jetzt liegt.

Hierzu noch eine wahre Geschichte aus dem Jahre 1954, die erhebend ist und verdeutlicht was ein einzelner Mensch durch das Gelingen seines Vorhabens bewegte. Diese Geschichte habe ich in dem Buch Feel Go(o)d des Musikers SEOM gelesen, mich dadurch dafür interessiert und meine eigenen Recherchen unternommen. 

Roger Bannister begann 1946 mit dem Laufsport, zu dieser Zeit war es allgemein gültig dass es unmöglich ist die englische Meile (1.609 Meter) in einer Zeit von unter vier Minuten zu schaffen. Der Läufer Bannister setzte sich als Ziel, der erste zu sein der die englische Meile in einer Zeit von unter vier Minuten läuft. 

Unter Beobachtung vieler gespannter Menschen, sowie vom Radio und dem Fernsehen begleitet, lief Roger Bannister am 6. Mai 1953 die Meile in einer Zeit von 3:59,4 – knappe Geschichte doch immerhin unter vier Minuten. Was dann folgte war aufgrund der Tatsache, dass dies bis vor Kurzem für unmöglich gehalten wurde, faszinierendes. Der neue Rekord hatte nur wenige Wochen bestand, bereits am 21. Juni wurde die Rekordzeit der Meiler unterboten und am 7. August wurde diese Zeit erneut unterboten. In weiterer Folge erreichten sogar über 20.000 Menschen dasselbe Ziel eine englische Meile unter vier Minuten zu laufen.

Was war geschehen? Der Körperbau der Menschen war immer noch gleich, die Zeit lief ebenso in der gleichen Geschwindigkeit wie zuvor…ganz einfach, das Bewusstsein der Menschen für das Laufen der Meile unter vier Minuten hat sich verändert. Über 20.000 Menschen wussten jetzt ganz einfach dass es möglich ist!

In diesem Sinne was auch immer du erreichen willst, es ist möglich und mehr noch – es ist realistisch dass du es schaffst! Selbst wenn du dabei der erste Mensch wärst.

Habe eine bereichernde Zeit in dem Wissen, dass es möglich ist das Wenn & Aber zu verlassen und dich ganz dem Hier & Jetzt hinzugeben.  

Patrizia Schimpl 

 

Ein genialer Film zu diesem Thema ist „der Pfad des friedvollen Kriegers“, den ich hier wärmstens empfehlen kann.