Liebe Leser !

Inspiriert von einem Paul & Pizzera Lied gibt es die Richtung „eine ins Leben“, wie auch immer das aussehen mag, denn es heißt nicht zwingend ständig etwas zu unternehmen und auf allen Hochzeiten zu tanzen.
Gerade jetzt wo es draußen wieder kühler wird, findet auch in uns eine Gemütsveränderung statt, wir bereiten uns innerlich darauf vor, ob bewusst oder unbewusst, wieder mehr Zeit Zuhause in den eigenen vier Wänden zu verbringen.
Das schlägt sich unter Umständen auch auf den eigenen Gemütszustand aus, gerade auch zu dieser Zeit macht es Sinn auf die eigenen Bedürfnisse hören, denn der Anbruch der kälteren und düstereren Jahreszeit vollzieht mit jedem Mal einen inneren Wandel.
Dabei kommen bei mir verschiedenste Fragen auf, wie unter anderem was ich Zuhause anfange, mit der mehr als im Sommer zur Verfügung stehenden Zeit. Wir werden in dieser Jahreszeit mehr als im Frühling und Sommer auf uns selbst reduziert, dabei ist es meist auch so dass wir uns dabei verstärkt mit uns und dem Leben auseinandersetzen dürfen.
Manchmal, wenn auch von Jahr zu Jahr schon immer seltener, wünschte ich mir in einem Land zu leben in dem es keinen Winter gibt und wo die Sonne immerzu scheint…doch sobald ich mich mit der kälteren Jahresperiode angefreundet habe, stellt sich stets ein Gefühl der inneren Ruhe und Glückseligkeit ein und mir fällt alles Mögliche ein dem ich nun wieder mehr Aufmerksamkeit widme, als in der unternehmungslustigeren Jahreszeit…damit kommt auch die Freude auf und die anfängliche Betrübtheit, weil wieder ein Sommer zu Ende geht, schwindet.

Wenn mir jedoch alles zu viel wird und gar nichts mehr geht, weil ich weder weiß wo ich anfangen soll, noch wie es weitergehen wird, habe ich seit geraumer Zeit einen Trick, der für mich bisher immer klappte. Es entspricht keiner Logik, doch es fruchtet! In einer solchen Situation lasse ich alles liegen und stehen und mache einen Ausflug, ob nur für wenige Stunden, einen Tag oder mehrere Tage..natürlich sollte man dabei schon die wichtigsten Verpflichtungen wie Arbeit, Kinder und Co beachten, also im Rahmen der Möglichkeiten handeln.

Einen dieser Ausflüge teile ich hier, da es für mich ein ganz besonderes Erlebnis war, bei dem sich für mich Vieles aufschlüsselte und es gab an diesem Tag unzählige Schlüsselmomente, die ich so sehr liebe – auch deshalb weil ich dadurch die Sicherheit erfahre, die auch ich manchmal benötige, bestimmt auf meinem Weg zu sein.
So war ich abermals an so einem Punkt angelangt und beschloß schnellstmöglich alles liegen und stehen zu lassen, um einen Trip nach Kärnten zum Weissensee zu unternehmen. Was den Weissensee auszeichnet ist dass dessen Küsten nur zu einem Drittel bebaut sind, das Ufer besteht also hauptsächlich aus Wäldern, Wiesen und Felsen… Letzteres war für mich der Grund warum ich gerade diesen See besuchte, die Felsen und Klippen lockten mich an, um dort, weil es wieder einmal an der Zeit war ein Ritual zu machen.

Das Motto: EINE INS LEBEN

Dazu eine kleine Vorgeschichte. Lange Zeit konnte ich keine Brücke überqueren ohne mich dabei zu fragen, wie es wäre runterzuspringen. Es war eigenartig, denn ich stellte mir so oft die gleichen Fragen, z.B. wie es wohl wäre zu springen, nicht auf die Art dass ich dabei sterben wollte und doch wunderte ich mich über diese sonderbaren Gedanken, die einen Hauch von Todessehnsucht in sich bargen. So hinterfragte ich jedes Mal was es denn damit auf sich hat. Nun nach meinem Ausflug weiß ich was mich daran immer faszinierte, mich anzog und dazu führte Brückensprunggedanken zu druchdenken.

Bereits längere Zeit hielt ich Ausschau nach Spots, an denen man solche Sprünge unverletzt machen kann und seit Anfang diesen Jahres ist bei mir die Idee des Klippenspringens präsent, recht kurzfristig bekam ich 3 Tage vorher den Termin für das nächste Klippenspringen am Weissensee.


„Auf das was jetzt kommt bist du vorbereitet, sagte mir einst mein Herz.
…doch nichts und niemand konnte mich auf eines vorbereiten, die unzähligen Stimmen,
die alles versuchen würden mich von meinem Weg abzubringen.
Bis sich all die Stimmen vereinten & zur Stimme des Herzens reiften.“

(inspiriert durch ein Zitat des Filmes Hüter der Erinnerung)

Also machte ich mich auf den Weg zu meinem Abenteuer, ich genoss während der Fahrt meine Vorfreude aufs Springen, Nervosität verspürte ich keine. Wir, die Klippenspringtruppe trafen uns mit unserem Funguide an der Schiffanlegestelle. Es war für mich wichtig, dies beim ersten Mal unter Anleitung eines erfahrenen Springers zu erleben, alles andere wäre mir persönlich zu unsicher gewesen.
Mit dem Schiff fuhren wir dann an die hintere Seite des Sees, ausgestattet mit Neoprenanzügen und Turnschuhen schwammen wir vom Wald aus zu unserer Klippe, es waren ganz unterschiedliche Menschen von jung bis alt dabei.

Wir amüsierten uns und lauschten den Anweisungen des Funguides, als etwas schräges geschah. Es plumpste ein Stein vom Berg in unserer Nähe ins Wasser und der Funguide schrie sofort hoch „aufhören“…doch es fiel ein weiterer Stein, nochmals erhob er seine Stimme und schrie „hey, aufhören da herunten sind Menschen“, und doch kam noch ein Stein, dieses mal ein riesen Brocken, welcher einen Meter vor uns ins Wasser einschlug. Ein Vater, der mit seinen Kindern als Begleiter mitkam und mittlerweile mit dem Surfbrett weiter am See draußen war, sah noch die Störenfriede mit den Rädern davonfahren, also wussten wir jetzt ist Ruhe. Das kam bisher noch nie vor, sagte mir der Guide später auf meine Nachfrage hin, tja auch eine interessante Sache…doch Angst machte uns das nicht.

Also nun zum wichtigen Ereignis, wir kletterten ein Seil entlang hoch auf die Klippe und jumpten einer nach dem anderen ins Wasser hinein, mit zwei Metern begannen wir, dann ging es weiter auf drei Meter, viereinhalb Meter. Es war ganz leicht, denn es ging nur darum Pobacken zusammenkneifen, Körperspannung und einen Schritt nach vor machen – sich fallen lassen – um im Wasser zu landen…ja erstaunlich, es fängt einen doch auf – das Wasser – indem man sich einfach hineinfallen lässt.

Jeder Sprung war für mich von immenser Bedeutung, da ich die Sprünge bewusst für meine anstehenden Themen nutzte und damit lebensverändernde Entscheidungen für mich traf. Richtig interessant wurde es jedoch erst jetzt, wir bestiegen den zweiten Weg und kletterten wieder ein Seil entlang nach oben, um zu unserer nächsten Sprunghöhe zu gelangen. Weiter ging es mit sechs Metern, siebeneinhalb Metern und immer noch verspürte ich keine Angst, aufgrund des Adrenalins und weniger aus Furcht, war ich beim Hinaufklettern schon recht zittrig, doch es war diese angenehme Form der Aufregung, in der ich jede Körperzelle und mich selbst so stark und klar spüre.
Acht Meter gingen für mich auch noch problemlos, zehn Meter waren sowieso zu schaffen und bei zwölf Metern fragte ich, „ob ich denn auch jubeln darf während des Springens“, „ja klar, ich freue mich immer wenn jemand jubelt, meinte unser Guide“…also meistere ich die zwölf Meter begleitet von einem lauten Jubelschrei – der über den See schallte!

Doch dann geschah es ich machte einen „Fehler“, bei vierzehn Metern schaute ich, als ich bereits sprungbereit am Klippenrand stand, vorher nach unten…auch wenn ich meinen Blick rasch wieder hob um nach vorne zu sehen, konnte ich nur noch sagen „Sch…., es geht nicht“.
Das Phänomen beim Klippenspringen ist wirklich, dass man bloß diesen einen Schritt nach vorne macht, um unten im Wasser zu landen. Was den Absprung bei vierzehn Metern von den vorherigen unterschied war, dass diese Klippe sich nach außen wölbte und aus der Sicht meines Kopfes wirkte es so, als würde ich indem ich den Absprungschritt mache genau auf der Klippe aufprallen und dabei sterben.
Der Guide setzte mit einem lieb gemeinten Scherz noch eines druaf und meinte „ja da bei den vierzehn Metern verliere ich eigentlich jedes Mal einen meiner Leute.“ Was mich zwar zum Lachen brachte, jedoch half es mir nicht den Gedanken dass ich dabei draufgehen könnte loszuwerden…so hockte ich auf der Klippe und sagte mit zittriger Stimme „sch…, nein es geht nicht mehr“ und gab auf.

Macht nichts, denn in dem Fall war es für mich von Bedeutung auf die eigenen Grenzen zu achten, auf die Botschaften des Körpers zu hören und in diesem Fall merkte ich, die zwölf Meter waren für diesen Tag meine Grenze, an der ich anlangte und welche ich nicht überschreiten konnte bzw. nicht überschreiten wollte…kurz dachte ich, egal ich springe einfach…doch ich durfte dadurch auch lernen, ja manche Grenzen sind einfach wichtig und manchmal braucht man den Kopf um zu wissen – stopp hier geht es nicht weiter.
Also ging ich zurück zu den zwölf Metern und machte meine letzten Jump, zumindest für diesen Tag. Wir schauten vom See aus den Mutigeren bei ihren Sprüngen zu und 3 von 9 wagten die höchste Absprunghöhe aus achtzehn Metern Höhe.

Erst als ich wieder im Wald zurück war und bei unserem Lager angekommen, noch im Neoprenanzug „die Zigarette danach“ rauchte, spürte ich das Adrenalin, welches nun meinen Körper zum Erbeben brachte und ich spürte mich und meinen Körper, mein Zuhause auf dieser Welt so richtig und nochmals intensiver als zuvor…doch realisiert habe ich die Absprunghöhe und mein Erlebnis wohl doch erst so richtig als ich beim Abendessen saß.

Spektakulär war die dazugehörige Heimfahrt, hin fuhr ich über die Autobahn und übte mich in Geduld, mir die gewünschte freie Fahrt durch die vielen Bremser, kurzen Staus und jeder Menge Urlaubsverkehr nicht trüben und/oder vermiesen zu lassen.
Das Navigationssystem aktiviert, fuhr ich Richtung nach Hause, doch meine Seele sagte mir „nein, fahr nicht über die Autobahn“, hmm Bundesstraße ist gut eine Stunde mehr Fahrzeit und eine etwa hundert Kilometer weitere Strecke. Gut ich heilte mir alles was mich in dem Moment abhielt die Autobahn zu nehmen, Maut, Unfall, Stau etc., doch immer noch war die Botschaft da – ich solle Bundesstraße fahren…kurz vor der Autobahnauffahrt riss ich also doch noch das Lenkrad um und fuhr nicht wie beim Hinweg auf der Autobahn, sondern über die Bundesstraße bis kurz vor Salzburg…das Ergebnis war eine der wohl verrücktesten, rasantesten und doch sichersten Autofahrten meines bisherigen Lebens.
Kein Mensch, außer mir auf der Straße und freie Fahrt für mich, auf meiner und der Gegenfahrbahn 😉 und jede Menge Rallyekurven auf der Brennerstrecke. Höchst konzentriert fuhr ich, wie eine vermeintliche Rennfahrerin meinen Weg nach Hause und es machte unglaublichen Spaß, vielleicht auch gerade deshalb weil ich dadurch wieder einmal erkannte, wie bereichernd es ist auf die eigene innere Stimme zu hören und nicht zu hinterfragen warum, wieso, weshalb…sondern danach zu handeln und zu sagen „warum nicht“, denn auf genau dieser Strecke, die Art wie ich fuhr, diese Sicherheit und Freiheit waren wie das Sahnehäubchen auf dem Kakao, im Bezug auf mein Ritual dem Klippenspringen, dem Ausflug und der getroffenen Entscheidungen.

Auch bei uns in der Gegend gibt es tolle Spots, an denen diesem Hobby nachgegangen werden kann und ich tue es bestimmt wieder! Denn seit diesem Abenteuer weiß ich dass es bei meinen Brückengedanken, stets um die Sehnsucht nach dem freien Fall und das aufgefangen werden ging…so erkannte ich dass es mir viel mehr um das Fallen ging als um den Aufprall, welcher mich am Springen und den Brücken so fasziniert. Und die verstörenden Fragen, welche ich beim Überqueren von Brücken so lange mit mir trug, lösten sich an diesem Tag für immer in Luft auf – oder aber wurden die Fragen an dem Tag zu Antworten.

Alles Liebe, Patrizia Schimpl

 

 

Als kleine Inspiration und Einladung, sich mit den Energien des Klippenspringens im Sinne von Freiheit, Sicherheit und Mut aufzuladen, hier noch 2 Videos. Das Erste ist vom Weissensee und auch das Lied war ein Zeichen und damit Beweggrund, es genau dort zu erleben. Das Zweite ist von den Fortgeschritteneren Klippenspringern, bei welchen man auf die Körperhaltung und die Konzentration achten kann, um sich davon für den Lebensalltag inspirieren zu lassen. denn mit der richtigen Haltung geht alles leicht.

Klippenspringen am Weissensee

Klippenspringen